Montag, 19. März 2018

Funktioniert das neue Apple Health auch in Deutschland?

Quelle: Wellness Corporate Solutions
Unlängst kündigte Apple für die neue Version seines mobilen Betriebssystems iOS 11.3 eine Neuerung für Apple Health an, die für einige Verwunderung sorgte:

Basierend auf dem HL7 Standard FHIR soll der Datentransfer zwischen Krankenhaus-/ Praxisverwaltungssystemen und Patienten-Smartphones ermöglicht werden.

Wie ist das möglich? Braucht es wirklich nur einen pfiffigen neuen Kommunikationsstandard um alle Barrieren, die uns im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten Kopfzerbrechen bereiten, mit einem einzigen iPhone-Update niederzureißen?


Ist das, was in den USA anscheinend so mühelos funktioniert auch in Deutschland möglich?

Technisch betrachtet würde das Verfahren auch bei uns funktionieren. Allerdings besteht in den USA die einzigartige Situation, dass mit Hilfe des Subventionsprogrammes ("Meaningful Use") im Rahmen des HITECH Acts (Health Information Technology for Economic and Clinical Health Act) durch den ONC (Office of the National Coordinator for Health Information Technology) konkrete und verpflichtende Vorgaben auf nationaler Ebene gemacht wurden, welche Daten KIS und PVS-Systeme über eine offene API verfügbar machen müssen.
Konkret wurden die gesetzlichen Anforderungen von den US-Herstellern durch die Implementierung der FHIR-API in Kombination mit dem SMART-Framework für die Authentifizierung und Autorisierung von Apps implementiert.
Das Mapping des Datenkatalogs auf FHIR fand im Argonaut-Project statt, einem Zusammenschluss der Hersteller zur Förderung von FHIR.
Diese Regelung trat zum 1.1.2018 in Kraft, so dass Apple sich darauf verlassen kann, in den meisten amerikanischen Kliniken diese standardisierten Schnittstellen anzutreffen, die einen genau definierte Menge an Daten zur Verfügung stellen.

Die USA werden nun die Früchte geerntet, die vor fast 10 Jahren mit einer Gesetzesinitiative von Präsident Obama gesät wurden!

Eine entsprechende Initiative deutscher Gesetzgeber gibt es hingegen nicht. Es gibt weder einen definierten Datenkatalog, noch nationale Vorgaben zu den zu verwendenden Terminologien, noch eine verbindliche Vorgabe, die Hersteller dazu zwingt oder zumindest ermutigt, solche Schnittstellen umzusetzen.

Zwar gibt es in Deutschland agierende Hersteller, die die Meaningful-Use-Schnittstellen aufgrund einer internationalen Produktpalette implementiert haben, jedoch basieren diese auf dem amerikanischen Datenkatalog, der hierzulande nur eingeschränkt nutzbar ist. (Bspw. kommen dort SNOMED-Terminologien zum Einsatz, für die in Deutschland der Kauf einer Lizenz erforderlich wäre, ebenso enthält der dort verwendete Medikamenten-Katalog "RxNorm" nicht die in Deutschland zugelassenen Medikamente; die Erfassung von Datenelementen wie "Rasse" und "Ethnizität" sind in den USA verpflichtend, in Deutschland jedoch verboten.

In so fern würde Apple's Health-App in Deutschland auf keine kompatiblen KIS- oder PVS-Systeme stoßen.

...vorher muss Deutschland seine Hausaufgaben machen.

Insgesamt liegt Deutschland bei der Entwicklung national einheitlicher Standardisierungs-Konzepte für das Gesundheitswesen und der Adaption neuer Technologien wie FHIR im internationalen Vergleich weit hinten.
Selbst Vietnam und Chile sind da deutlich weiter.

Während die Politik noch zaudert, arbeitet die Deutsche FHIR-Community an Lösungen!

Auch ohne politisches Mandat interessieren sich mehr und mehr Organisationen, Hersteller und Implementierer für die Nutzung von FHIR in Deutschland. In einer offenen Community wird seit Monaten fleißig am Deutschen FHIR Implementierungsleitfaden gearbeitet.

Mitmachen ist erwünscht!

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